Title: Die Spur
Author: Berthold Viertel
Release date: July 23, 2012 [eBook #40304]
Most recently updated: October 23, 2024
Language: German
Credits: Produced by Jens Sadowski
1913
Kurt Wolff Verlag • Leipzig
Dies Buch wurde gedruckt
im Oktober 1913 als dreizehnter
Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei
Poeschel & Trepte in Leipzig
Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
Meiner Frau
Nachts gestern von dir heimgegangen.
Wie Schnee ists unterm Mond gelegen.
Da fühlt ich wiederum den Segen
Der weißen Nacht mit heißen Wangen.
Das tief Vertraute hat gesprochen,
Es lindert sich die starre Kehle.
Da war mit einemmal der Seele
Der arg verjährte Star gestochen.
O Gott, wie ists? Darf ich denn wieder
Mein längst verbotnes Herz auskramen?
Du Freundliche, in deinem Namen!
Ich lege Wehr und Würde nieder.
Darf ich die keusche Kindersage
In dein geneigtes Ohr dir flüstern?
Ich rette Gold aus dem Verdüstern.
Da nimm die Lilien früher Tage!
Einst — Kindheit, Fieber oder Traum,
Ich wachte kaum, ich dachte kaum —
Lag eine Wiese da.
Der Wald wuchs dunkel hinter ihr,
Ein unbeschreitbares Revier,
Wo Angst und Tod geschah.
Die Wiese hielt mich eingefaßt,
Sie, Eiland, Wiese, Wiege, Rast,
Wie ruhig schlug mein Blut.
Auch nicht in meiner Mutter Schoß
Hab ich so groß, so grenzenlos,
So ungekränkt geruht.
Der Himmel flog, ein blauer Rauch,
Von Licht durchatmet, jeder Strauch
Vom Atem eingewiegt,
Der schön und selig, ein Gefühl,
Leicht wie ein Spiel, wie Höhe kühl
Zu Gottes Gipfel stieg.
Ich war ein Schein in allem Schein,
Der widerschien — ich strahlte rein
Und freute mich darin.
Ich, Himmel, Sonne hingen wir
Und flogen wir und gingen wir
Herüber und dahin.
Man muß nicht Wege suchen, sie
Verführen und sie führen nie
Zu dem entzückten Ort.
Ich weiß, ich war — und weiß jetzt kaum,
Ob Kindheitswunsch, ob Fiebertraum —
Einmal geladen dort.
Ich trag den Schmerz nicht,
Weil ich nicht kann.
Was willst du, Mutter?
Sieh mich nicht an!
Ich mag dich nicht, Mutter,
Weil du nichts weißt,
Nicht wegstreicheln kannst,
Was den Kopf mir zerreißt.
Nicht wegnehmen kannst
Mit der großen Hand
Von der Stirn das Feuer —
Sie ist innen verbrannt!
Wie arg es ist, Mutter!
Sieh mir nicht zu
Und hab mich nicht lieb —
Nein, Mutter, gib Ruh!
Der Gut-Wetter-Wind hat manches zu tun,
Was er lieben müßte, wenn ers verstünde.
Er jagt vielleicht nur, um dann zu ruhn,
Aber dennoch hilft er so manchem Kinde.
Farbige Schleifen hat er zu drehn
Um Holzstäbe, welche die Kinder halten.
Kein braver Wind sollte weiter wehn,
Ohne gern dieses bunten Amtes zu walten.
Papierdrachen aber müssen den Wind
Überlisten, bekämpfen — Triumph des Schwebens!
Da freilich erleidet so manches Kind
Die Niederlage himmlischen Strebens.
Ob das auch kümmert jeden Wind?
Er weht vielleicht nur, um Wellen zu machen,
Um Wolken zu treiben, welche sind
Sein Spiel, sein Sport, sein Triumph, seine Drachen.
Wenn so an einem Wintermorgen
Im Schulzimmer die Lampen brannten,
Die Seele dämmerte geborgen,
Das Lineal legte Sekanten
Durch meines Zirkels gute Kreise,
Und man bewies etwas an ihnen,
Der Herr Professor schien sehr weise,
Die Schüler machten brave Mienen:
Dann war es so weltabgewandt,
Das Paradies des Objektiven.
Sogar der Lehrer saß gebannt,
Vielleicht, daß auch die Bücher schliefen.
Das war ein freies Nichtstun — wie
Ewig dem Katalog entronnen.
Der Lampen milde Apathie
Nährte der Faulheit süße Wonnen,
Indes die Träume, die sonst gerne
Schmerzhaft im Herzen suchen gingen,
Jetzt schwach nur brausend, wie von ferne,
Verschmolzen mit der Lampen Singen.
Geweint hat schon das Kind,
Verlassen in der Leere
Der Tage, die unfruchtbar sind.
Bald trug ich diese Schwere!
Nachts schrie ich nach dem Traum,
In wacher Not verloren,
Im wüstenweiten Raum.
Und jede Stunde totgeboren!
Ich biß ins Bett, die Finsternis
Mit Fäusten schlagend,
Tobender Neuling — ich zerriß
Mein Knabenhemd, nach Leben, Leben klagend.
Wer hat uns Leben aufgedrungen,
Es ewig zu begehren?
Wenn nur nicht diese Dämmerungen,
Die hoffnungslosen Morgenröten wären!
Der Gärtner, der den Graukopf zu den Beeten neigt —
Wie sanft kann seine harte Hand betreuen —,
Das Enkelkind, das blonde Locken neigt,
Und knabenhaft bestrebt ist, Sand zu streuen.
Beide versunken in ein schlichtes Dienen,
Beide vor Eifer fromm und zag,
Indes ein schöner Wochentag
Verklärend spielt auf ihren Mienen.
Seit jener Eine wuchs aus solchem Kreis,
Kann jeder blonde Knabe Wunder sein.
Bei hellem Tag zittert ein Heiligenschein
Über dem Kind und seinem Gärtnerfleiß.
Mein jüngerer Bruder, du schläfst,
Du träumst.
Leis halt ich deine Hand
Und sinne deinen träumenden Wünschen nach.
Du Ungeduldiger!
Hast du noch nie ein Roß gedemütigt?
Ergab sich nie in deinen Armen
Zur Liebe eines Weibes Haß?
Die weichen, schmeichelnden Teppiche der Ehre,
Wo sind sie?
Und die Vezire, die zu Sklaven werden?
Ah, wo verbirgt sich jene Stunde,
Die ganz besiegte,
Da du nach keiner neuen mehr begehrst?
Ich sehe deine Nüstern zucken
Und eine ungebärdige Ader auf deiner Stirn.
Die Hand in meiner Hand wird muskelhart.
Du unerprobter Kämpfer!
Sieger im Traum!
Und wenn ich bete, Gott, erhörst du mich?
Genügt es, daß ich wieder Beter werde?
Erleichterst du mir dann den Druck der Erde,
Der mir so selten von der Seele wich?
Ich bin dein treues Kind von Anbeginn
Und habe dich dereinst so gut verstanden.
Wohl ging ich Wege, die dich nicht mehr fanden,
Dir immer nach und wußte nicht, wohin.
Auf tiefes Dienen war ich stets bedacht,
Und lag nicht deine Huld auf meinem Dienen?
Jetzt freilich zürnen, Meister, deine Mienen,
Und über meinem Scheitel wächst die Nacht.
Daß ich so schwach bin, hab ich nicht gewußt,
Von aller Welten-Schwachheit so durchdrungen!
Willst du die Demut, ist dirs bald gelungen,
Schon atme ich mit halberstickter Brust.
Soll ich bezeugen, Ewiger, deine Macht?
Sollen auf freiem Markt die Wunden bluten?
Gezüchtigt von der Schärfe deiner Ruten
Und wehrlos als dein Opfer dargebracht?
Ich hoffe noch, auch wenn es Hoffahrt ist,
Daß du mir Gutes willst in deinen Plänen.
Und halte fest an meinem Kindersehnen
Und zehre noch an einer Gnadenfrist.
O öffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier!
Nur einen Blick aus deutlichem Gesichte!
Wenn du mich retten willst, Vorsitzer im Gerichte!
Ich habe grenzenlose Angst vor dir!
Ein Himmel, der nicht weiß,
Ob er strahlen mag.
Erschauernd weht der Tag —
Und leis
Verwirrt er jeden Herzensschlag.
Mir gehört der große Garten nicht,
Der sich weit ins Land hineinverflicht.
Mir gehört nur ein geborgnes Stück,
Rasenfleck, begrenztes Himmelsglück.
Wo herunter wie durch einen Schacht
Sterne nach mir zielen manche Nacht,
Und an schönem Tag ein wenig Blau
Lächelt meiner unverwandten Schau.
Doch durch diese Enge steigt und steigt
Mein Gebet, ob auch die Höhe schweigt,
Ob auch meinem Schrei, der niemals rastet,
Nie sich eine Antwort niedertastet.
Mir ist die Lust kein leicht erspieltes Gut,
Kein hitziger Zufall — denn mein dummes Blut
Muß erst die Freude lernen.
Mühselig lern ich tun, wie Freude tut.
Weit besser kann ich schon die Traurigkeit.
Ein wahrer Könner müßt ich sein im Leid
Und wie ein Meister spielend.
Leid war bei mir in aller Lebenszeit.
Doch wenn ein karges Frohsein mir gelingt,
Bin ich so stolz wie wer das Große zwingt,
Stolz wie ein Kind,
Das immerfort drei falsche Töne singt.
Ich wage nicht Heimat zu sagen
Zu Tälern, in die meine Einsamkeit
Sich schmiegte, in ein Lieblingskleid,
Zu Bächen, so vertraut meinen hellsten Tagen.
Und wenn ich im Wald zu horchen begann,
Hielt ich immer beschämt den Atem an.
Ich bin nicht gut genug für all diese Nähe,
Die so lieblich ist und sich selbst so treu.
Die Berge waren längst, ich aber bin neu,
Sie haben ihren Ort, ich aber gehe
Und suche, weiß nicht einmal wen?
Wie sicher die Bäume in ihren Räumen stehn!
(nach schönen Tagen)
Bin wie voll von einem guten Schlafe,
Weil die Tage schön gewesen sind.
Und ich könnte beten wie das brave
Kind, das abends sich auf Gott besinnt.
Eine milde Lampe wollt ich haben,
Die hell bleiben dürfte diese Nacht.
Wollte mich in einem Bette laben,
Mir von milder Hand zurecht gemacht.
Alles wohlgetan, und ich entkleide
Mit den Kleidern mich von aller Welt,
Die mich jetzt mit keinem ihrer Eide
Länger drückt und angebunden hält.
Ich tauche aus dem Schlaf hervor.
Wohin sich alles nur verlor?
Und über mir ein Traum zerrinnt.
Ich taste, wo die Welt beginnt.
Da plötzlich weiß ichs wie ein Leid:
Daß ich zurückblieb in der Zeit.
Ein böses Werk betreiben diese Tage
Und treibens hastig, ohne nur zu ruhn.
All mein um Menschen Werben, das ich wage,
Es endet wie gehässiges Tun.
Und alles Herz, das mir die Menschen reichten,
War übervoll mit Gift betaut.
Ich nenne dich die Hölle der Verseuchten,
Stadt ohne Seele aufgebaut.
Könnt ich entlaufen! Einen Acker haben,
Den nichts als Himmel überhängt.
Und dort nach meinem Herzen graben,
Das sich so tief hinabgesenkt.
Still zieht mein Blick mit diesem Rudel Reiter
In grüner Ferne: das geschlossen dicht,
Wie spielend hinläuft, dort im Bogen weiter,
Dann näher kreist, nun in die Nähe bricht.
Da kommen sie, über den Mähnen liegend,
Sich, Mann und Tier, hinwerfend durch die Zeit,
Noch alle wollend, und noch keiner siegend —
Und plötzlich weiß mein Herz die Schnelligkeit.
Und jetzt: ein braunes mit befreitem Sprunge
Durchdringt das Rudel — ungehemmt davon!
Es hat den Sieg im übersichern Schwunge
Und trägt ihn weit vor allen schon.
Das Rudel ist entwirrt — ein Zweiter,
Ein Dritter reißt sich vom verstrickten Feld.
Im Fluge horcht zurück der erste Reiter,
Der schon sein Tier mit leichten Händen hält.
(Sonntagabend in der Großstadt)
Ein mächtiger Greis in glänzendem Zylinder
Trat plötzlich vor die Leute, Weiber, Kinder.
Betrunken baumelt er mit einem Stock,
Dran hängt Marie in blütenweißem Rock,
Die schlanke Himmelskönigin aus Flußpapier,
Die Wänglein süß wie Milch und Blut auch hier.
Die Leute lachen sehr: „Er kommt aus Mariazell,
Dort weht es heilig und die Luft ist hell.
Am Weg zum Altar stehn viel Schenken offen,
Da hat der gute Alte sich besoffen.“
Der Alte lächelt heimlich und verschwiegen,
Hat er doch Berg und Täler überstiegen.
Und immer neue dumme Neider kamen
Und höhnten laut — er aber sagte: Amen.
Wenn der Tag zuende gebrannt ist,
Ist es schwer nachhause zu gehn,
Wo viermal die starre Wand ist
Und die leeren Stühle stehn.
Besser ists, mit den Verirrten
Laut vereint zum Weine finden.
Elend läßt sich mit Gift bewirten,
Und ein Blinder führt einen Blinden.
Freundin, Verlorne, ich könnte dich bitten,
Aber du wirst mich um Geld erhören.
Und wir eilen mit ungleichen Schritten,
Um uns tiefer noch zu zerstören.
Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende
Durch die leeren Pausen zu gehn
Und einsam der Tageswende
In die erlöschenden Augen zu sehn!
Als nachts um eins ein leiser Regen fiel,
Da traf ich in der Straße eine Kranke
Hintaumelnd, eine irre Dulderin,
Die, tastend nach dem letzten Ziel,
Wie ein verlöschender Gedanke
Schon in den Tod zu starren schien.
Und wie gerufen trat ich ihr ganz nah,
So daß ich jetzt ihr leeres Auge sah.
Da mußt ich sie mit einem Worte grüßen
Und sah sie schwanken auf den lahmen Füßen
Und sah sie lächeln schwer und kalt.
„Der Regen“, lallte sie, „wird sich beeilen,
Ich aber habe noch zwei böse Meilen.“
Wir nahmen Abschied ohne Aufenthalt.
Ich sehe oft die Bauernpferde,
Die nachts durch die Straßen zum Markte gehn.
Wenn sie angelangt sind und wartend stehn
Wie roh geformte Klumpen Erde,
Da ruht das Dunkel so schwer auf ihnen.
Aber wenn sie noch gehn und wandern,
Ihre Wagen führen, eins nach dem andern,
Sind sie so stark in ihrem Dienen.
Wie manches allein geht, sorglos, fest,
Bedächtig ziehend an den Strängen,
Und seinen Kutscher schlafen läßt,
Während die Zügel unnütz hängen;
Und treulich ausmißt jeden Meter
Seines Wegs und auf der Hut ist,
Wie ein breiter Mann, der rauh und gut ist,
Und Xaver heißt oder Franz oder Peter.
Wenn ich ins Zimmer der Schwester gehe,
Oft, in mancher ruhigen Nacht,
Horchend an ihrem Bette stehe,
Leise, damit sie nicht erwacht,
Mich beuge über das Gottvertrauen
Ihres beschatteten Gesichts:
Dann fühle ich mit schwerem Grauen
Im Dunkel warten den Tod, das Nichts.
Ihres Ruhens liebe Gelassenheit
Gleicht dem noch kindlichen Spiel ihrer Seele,
Aber ich weiß, daß die Verlassenheit
Sie bald bedrohen wird an der Kehle.
Mich beugend über ihr Weltvertrauen,
Lauschend sanftem Atemzug,
Fühl ich mit immer tieferem Grauen:
Wie wird sie verwinden den großen Betrug,
Die schweren, die leeren, die zehrenden Stunden,
Ohnmacht, Ekel, Sinnlosigkeit
Und Verrat — die heillosen Wunden,
Geschlagen vom schweren Schwert der Zeit.
Und daß sie Weib ist, ihrer Schwachheit
Lebensbürde und Liebesnot?
Wie ist ihr Schlummer von aller Wachheit
Unrettbaren Gefahren bedroht!
Da bin ich versucht, sie aufzuschrecken,
Brutal, ob sie auch hart erwacht,
Ich möchte selbst sie grausam wecken
Und mit ihr wachen den Rest der Nacht.
Das Gäßchen bog sich jäh und endete.
Ein Widerschein, der plötzlich blendete:
Das Meer an meine Schritte grenzte,
Das hier getrübte, dort beglänzte.
Wie ein ganz tiefer Atemzug
Hob es sich hin und kannte kein Genug —
Muß einen Schritt nur weitergehn:
Da nimmt es mich so, wie ich bin,
Öffnet sich still und nimmt mich hin,
Zieht mich hinein in die Gezeiten,
Mischt mich erledigend in sein Vergleiten,
Wie eine mütterlichste Mutter, die ihr Kind
Zurück ins Nichts, ins All gewinnt.
Eine Hure, die zur Nacht ich fand,
Beugte sich herab zu meiner Hand,
Als ich durch die leere Straße ging,
Eine Hure, die sich an mich hing,
Nahm die Hand, die ihr nicht geben wollte
Und sie wegstieß und ihr grollte,
Beugte plötzlich sich, das arme Tier,
Hat geküßt die Hand im Handschuh mir.
Nicht um zu besänftigen meinen Willen,
Nein, die sonderbarste Gier zu stillen.
Nicht mehr bettelnd, schon hinweggewandt,
Schon entlaufend meiner fremden Hand.
Und da fühlte ichs wie einen Stich
In der tiefen Brust — das war nicht ich,
Den sie küßte, irrend und verwaist,
Nicht das Ich, das einen Namen heißt,
Sondern sie, die Namenlose, mich,
Einen Namenlosen, der jetzt glich
Allen Männern, die sie quälten,
Arme Seele küßte den Beseelten,
Küßte ungelohnt und ungestillt —
Menschenkind küßt Gottes Ebenbild.
O, nie war ein Kuß wie dieser Kuß,
Den ich allen weitergeben muß.
Ich hing am Kreuz der Nacht und stöhnte schwer,
Mein Herz war matt und hoffnungsleer
Und Stirn und Gaumen ausgebrannt.
Da legt der Morgen seine Hand
Kühl, blaß und scheu
Mir über die versengte Stirn,
Und wie das Dunkel schwindet vom Gehirn,
Atme ich neu —
Und trinke weißes Licht und weiße Gnade
Und sinke losgelöst und sanft befreit
Auf das sich klärende Gestade,
Zu neuem Tage neu bereit.
Geld ist Staub in meiner Hand,
Den ich unbedacht vergeude.
Aber groß war meine Freude,
Als ich einen Heller fand.
Hatte alles ausgegeben,
Hunger mir am Marke fraß,
Und ich sah entnervt in das
Mitleidlose Großstadtleben.
Alle Taschen gut verschlossen,
Alle Seelen zugeknöpft.
Ich begriff, daß man geköpft
Werden kann um einen Groschen.
Ich begriff, daß sich ein toller
Kerl an wem vergreifen kann.
Dieser Ohnmacht Wut und Bann —
Nichts auf Erden grauenvoller!
O, wie muß der Arme hassen!
Fenster, die den geilen Duft
Dich Lebendigen in der Gruft
Wie zum Hohne ahnen lassen.
Lächelnde, kokette Frauen
Zeigen an dem Straßenkleid
Alle üppige Kostbarkeit,
Während dir die Sinne flauen.
Ohne dich zu kennen, hin,
Die zum Schmaus, zur Buhlerin
Oder ins Theater tragen.
Ich blieb stehn und ich lief schneller,
Starrte an und blickte weg.
Plötzlich lag vor mir im Dreck
Ein verlorner alter Heller.
Und mir wars, als ich mich bückte,
Wie ein Gruß des neuen Tags.
Und mein Herz ging bessern Schlags,
Als ich in der Hand ihn drückte.
Diesen Heller, der mir lachte,
Wertlos zwar, und doch ganz mein,
Ein Geschenk, das mir der Stein
Wie in lieber Absicht brachte.
Wie um mir die Nichtigkeit
Und des Zufalls Wurf zu zeigen.
Mensch, sei frech, mach dir zu eigen!
Dieser Griff hat mich befreit.
Alida, sagt ich ihr, ich habe dich
Sogleich erkannt — wo hast du nur gezaudert
Die viele Zeit? — Nun aber labe dich,
Hier Wein! Kühl deinen Mund, bevor er plaudert.
Wo irren deine Augen? Nimm das Haar
Fort aus der Stirn! — Nein, keine Frage!
Verjage endlich diese Schar
Mir fremder Tage!
Erwache mir! — Sei da!
Die ruhelosen Hände,
Vielleicht vergäßen sie, was ohne mich geschah,
Wenn erst mein Frieden zu dir fände.
Und während dieser Nordwind blies
Und unsre Stadt zum Norden machte,
Die letzte Sonne uns verließ
Und jeder Wunsch zu sterben dachte,
Und viel zu früh die Nacht begann,
Sehr anders als die andern Nächte,
Wie eine Nacht, die dauern kann,
Solange wer zu warten dächte,
Da stand ich auf dem alten Platz
Und sah die alte Kirche dauern
Und geizig Zeit wie einen Schatz
Anhäufen hinter ihren Mauern,
Und sah in dieser alten Stadt
Die Leute, die mir Greise schienen,
(Wie jedes Antlitz Falten hat,
Erstarrtes Nein in seinen Mienen,)
Und fühlte mich hier stehn und stehn
Und wurzeln wie der Dom, der graue,
Und konnte gar nicht mehr verstehn,
Daß wer noch neue Häuser baue.
Ob nicht die junge Frau, auf die
Ich warten wollte, wann nur? Heute?
Selbst alt geworden war und nie
Ein Weib mehr einen Mann erfreute!
Wie ist das sinnlos, hier zu stehn,
Als ob die Zeit ein Ende nähme,
Und zu erwarten irgendwen,
Zu glauben, daß er wirklich käme.
Kühle, klare Nacht!
Welch ein kühnes Schreiten
Ist in mir erwacht —
Führt aus engen Zeiten
Hoch mich in die weiten
Aufgeschlossnen Räume dieser Nacht.
Daß ich heimlos bin,
Was ich sonst beklage,
Was ich her und hin
Durch die niedern Tage
Keuchend, schleppend trage —
Heute fühl ich es mit neuem Sinn.
Wie der Schritt erfreut,
Wie ein Landweg! Wiesen
Sind die Plätze heut,
Und man geht in diesen
Straßen wie auf Kiesen,
Wie in Gärten, die der Mond betreut.
Löst sich nicht auch hier
Manche reine Quelle?
Offen liegt vor mir
All die fremde Schwelle.
Ist nicht ringsum helle
Heimat und befreundetes Revier!
Als ich die Unerbittlichkeit verstand,
Ward mir das Blut wie Blei, wie aus Ton mein Fuß
Und ohne Muskel lahmte meine Hand,
Schweiß auf der Stirn, des Todes kalter Gruß.
Und das Herz selbst tat so erbärmlich weh
Vor lauter Gottverlassenheit.
Da sagte ich zu mir: „Mensch! Jetzt gesteh!
Jetzt wärest du zu jedem Schluß bereit.“
Jetzt, wo ich sanft in meinem Elend bin,
Weil aller Trotz wie Hauch in Lüften schwand,
Jetzt werft mich zu den Pestverseuchten hin
Und laßt allein verwelken diese Hand.
Du wirst wie wir alle am Zügel
Gängig werden,
Im Zotteltrab, ohne Flügel,
Gehn mit den Herden.
Du wirst mit dir verkehren
Karg und gewöhnlich,
Und ohne prinzliche Ehren,
Weltversöhnlich.
Du wirst deine Tage tragen
Ganz wie wir alle,
Mit Arbeit, mit Behagen,
Mit Herz und Galle.
Du wirst dich ärgern lernen
Und dich bescheiden,
Unter geduldigen Sternen
Menschlicher leiden.
Dunkle Erdenwege, die der lichten,
Leichten Gefühle Schatten sind!
Liebe als Licht aus der Sonne rinnt
Und verfängt sich an kalten, dichten
Menschenleibern und Menschenseelen,
Und umwirbt sie, verklärt sie, vergöttert sie,
Und verdirbt sie, zerstört sie, zerschmettert sie —
Menschen, die sich küssen, sich quälen.
Spiele nur, spiele nur weiter, ich will dich nicht stören,
Ich halte den Atem an und schau dir zu,
Spiele nur, Sorglose du,
Ich will mich nicht empören,
Wenn plötzlich mein Leben in deiner Hand
Ein wenig zu sterben beginnt — ich halte Stand,
Ich Spielzeug —
Weiß ich auch mit meinem kalten, ohnmächtigen Wissen,
Daß dich das Spiel kaum freut, ja langweilt sogar,
Und fühl ich auch, wie so tief! Angst und Gefahr:
Es werde dir nicht entrissen,
Was du mit leichter Sicherheit dir gewonnen hast, Kind,
Wie grausam auch deine Finger sind,
Spiele —
Denn du lächelst, Sorglose, aus dir lächelt ein Schimmer
Des lieben, so unwirklichen, blinden
Lebens, das ich nicht finden,
Nicht sein, nicht haben kann — was auch immer
Jetzt in mir stirbt und sei es noch so reich,
Ich halte den Atem an und fühle bleich,
Daß du schön bist —
Geliebter, deine Kühle
Weht aus der Ferne her.
Geliebter, und ich fühle,
Du liebst nicht mehr.
Geliebter, und die Züge
Deines Angesichts
Zerfließen, eine Lüge,
In ein Nichts.
Und ob ich mich auch quäle,
Ich weiß deinen Mund nicht mehr.
Geliebter, meine Seele
Wird wieder leer.
Abschied ist Tod. Das weiß ein jedes Kind
Und läßt die Mutter aus dem Haus nicht fort.
Jemand reist ab. Mein Herz fühlt Meuchelmord.
So viele weiche Wärme mir entrinnt,
Daß ich wie ein Verblutender verbleiche.
Mir ist sehr kalt, ich friere tief — adieu!
Und alles Bleibende tut grausam weh,
Wie aufgerissene, verletzte Herzensweiche.
Soll ich nachhause gehen, die Papiere
Am Schreibtisch ordnen, einen Stundenplan
Entwerfen, weitertun, mein Ziel bejahn?
Und überwinden, daß ich dich verliere?
Auch du bist schon geprüft, auch dir ist eingegraben
Die Rune Welt, die wirre Hieroglyphe.
Du hast gelitten bis zur Tiefe,
Gekostet von den Honigwaben.
Du hast besessen und du warst zu eigen,
Geküßt hast du das Band, dich freigequält.
Du kennst die Schuld, die aus der Rinde schält,
Das süß und bittre Wort, die Kunst zu schweigen.
Das alles war, wie mir, auch dir beschieden.
Jetzt aber sind wir beide neu gewandet,
Gestrandet und an seliger Bucht gelandet —
Und es ist wieder schön hienieden!
Schnee war gestern plötzlich da — auf allen
Trüben Straßen, hell wie Unschuld, weiß,
Weich und wärmend, aus der Luft gefallen.
Und wir gingen — enger ward der Kreis,
Der uns heimlich aneinanderhält —
Mit gedämpftem Schritt, gedämpfter Seele,
Unverhofftes Lachen in der Kehle,
Durch des Schneefalls kindlich neue Welt.
Wir, die jetzt so ernste Frage quält,
Wurden schmiegsam, atemleicht, gelinder,
Lachten furchtlos, schneefroh, beinah Kinder —
O wie hat die kleine Freude uns gefehlt!
Laß uns wissend sein! Wir haben gelernt,
Was Menschen nähert, was entfernt.
Wir sind gealtert am Lächeln-Müssen,
Gestorben an erzwungenen Küssen.
Wieder auferstanden an befreiten
Heißen Unwillkürlichkeiten.
Gesundet an einem Atemzug,
Der ungehemmt hinübertrug.
Laß uns Horcher sein auf das Sich-Regen
Im dunklen Du! Nur nicht entgegen
Dem Eigensinn der Einsamkeiten!
Nur mit dem Kind in uns nicht streiten!
Ihr Freunde, große Liebe
War euch von mir geweiht.
Ich ward zum Diebe
An eurer Freundlichkeit.
Mein Herz in Händen bringend,
Ein maßloses Geschenk,
So kam ich Freundschaft zwingend.
Was wart ihr eng!
Euch wie die Mörder hassen
Lehrtet ihr mich zum Dank,
Vergiftet und verlassen,
Nach Sanftmut krank.
Mit allem meinem Gute
Warft ihr dem Weib mich zu.
An der ich blüh und blute,
Sei gnädig du!
O die Unschuld des Genusses,
Wenn ich dich genieße,
Nimmermüde deines Kusses
Und der Atemsüße.
Jede Nacht bringt neue Spiele,
Spielglück ohne Ende.
Unsre Lippen wissen viele
Und die guten Hände.
Immer zarter, immer schöner,
Seit uns Lust verschönte.
Ich dein glücklicher Verwöhner,
Glücklich die Verwöhnte.
Sprich nicht von dieser Insel, wo wir uns trafen
In unsern Nächten.
Das Blut rauscht rings um sie.
Und keine Zeit geschah, Uranfang, Ende.
Was wir sonst sind, vergessen und verscheucht.
Nur diese Spiele, grausam wie Dämonen,
Marter nach einem Glück, das anders
Beseligt als das Brot, der Trunk,
Die sonst die Lippen sättigen.
Nein, ungesättigt
Tobten wir,
Bis schwer die Wimpern und die Lider schwer,
Das Haupt ermattet, sinkend, abgebrochne Blüte,
Der Tod kalt an die Stirnen tastend,
Das Innre ausgehöhlt, ein leeres Haus
Mit ausgehobnen Fenstern, ohne Dach.
Oh, das Korallenrot der Lippen
War mit rötrem Rot betaut
Von unsrer Zähne Mordgier.
Heilandsmale
Auf diesen kühlen Händen, die gefiebert
Im Suchen nach Entspannung, die nicht kam.
Nein, Ekel kam, der Würger,
Vom goldenen Tor der Lust uns scheuchend,
Daß wir wie Schatten flohn.
In unsern Adern
Ebbte die Lust zurück, zum dunklen Schacht.
Und nur ein Duft von ihr
Blieb dem Verschmachten.
Wie Irre hatten wir am harten Schloß gerüttelt,
Die Gnade aufzusprengen.
Aber nun, mit entnervten Knien,
Müd wie Gerichtete,
Schlichen wir einen bangen Weg zurück.
Und doch, du Köstliche, war nichts als Zärtlichkeit
In meinem grausam Sein.
Doch kniete ich huldigend
Den Marterberg empor,
Um nur den heißen süßen Hauch
Zu pflücken, wenn die Lippe dir erblaßt.
Um dir im Weh
Die bebende Melodik zu entlocken.
Um deinem Unbewußtsein nah zu sein,
Als könnt ich fast bis an den Tod gelangen,
Wo wir ganz nah sind.
Und doch war mir, du Köstliche,
Daß wir die Lust, Verschmachtende, verschmähten,
Ein bessres noch als Glück, ein tieferes
An-Wurzeln-Zerren, sie zu lockern, du!
Mir sind sie heilig
Diese Feste
Der Qual —
Wenn wir auch fürchterlich erwachen.
Die nur wir,
Nur wenn wir Dämon sind, in uns betreten,
Das Blut rauscht rings um sie.
Was wir dort leben,
Hat keinerlei Bezug mit andrem Leben,
Nicht einmal unser Denken rühre dran
Und kein Erinnern.
Kein Name,
Der sonst gebraucht wird,
Wage sie zu nennen,
Kein kleines und kein großes Wort.
Nur Reue
Ist tief genug, hinabzutauchen,
Nur Angst so mächtig, um sie zu entdecken.
Sie, die verschollen ist,
Die dunkel-schöne,
Vom Blut geborgene.
Bis wieder wir,
Ganz unvermutet
Vom Dämon hingetragen,
An ihr Ufer stranden.
Du, Köstliche,
Erst dann schön wie ein Gift,
Und ich, der Trinker,
Giftbereit.
Gebet für dich: daß deine Wange
Sich möge weich ins Kissen schmiegen,
Und durch die bange Nacht, die lange,
Dein Atem sanft dich wiegen, wiegen.
Es halte dich dein warmes Leben
In seine milde Kraft verschlossen.
Erwachst du, seis, als ob du eben
Im Traum das Seligste genossen.
Und wieder wirst du dann die Wange
Dort, wo sie lag, ins Kissen schmiegen.
Und wieder mag dein Atem lange
Dich flüsternd wiegen, wiegen, wiegen.
Wir gingen, meine zarte Frau und ich,
Den sichern Weg der großen Serpentine,
Die frech an dem gewaltigen Berg sich hochschwingt,
Mit seiner fürchterlichen Schichtung spielend.
Vorbei an greisen Felsenköpfen,
Gepreßten Klötzen, bösen Zacken
Und grimmigen Kronen.
Wo Wasser, Stein-Blut, aussickert,
Eisiges Blut.
Wo jeder Samen lautlos seufzend umkommt.
Wo hoch über allen Sommern
Schnee sich anhäuft,
Zu hell für Augen, die ans Tal gewöhnt sind
Und an die vielen Farben alle.
Schneeflug auf Schneeflug, Schneekorn dicht an Schneekorn.
Wo ein Schweigen tönt,
All unsere Musik, die hurtig plaudernde,
Mit frierender Monotonie belächelnd —
Als wäre ein Jahrtausend hier ein Takt.
Und wir auf unsrer sichern Serpentine,
„Spürst du es,“ sagte ich,
„Wie nahe wir jetzt einem Großen sind!“
Die Frau lächelte
Zum Berge hin.
Da nahm der Berg mit einem wüsten Griff
Mir meine zarte Frau,
Riß sie mir weg und schwang sie, schwang sie,
Hoch, höher, hoch beim höchsten Schnee —
Und wollte sie fallen lassen,
Sie über Steine tanzen lassen, stürzen lassen
Rasenden Wurfs in eine Todesschlucht kopfunter.
Ganz leise schrie sie: „Ach!“,
Ganz ohne Kraft.
Und ich, wahnsinnig,
Umschlang sie jetzt mit beiden Armen,
Allen Wunsch
In meine beiden Arme pressend.
Und küßte der Ohnmächtigen, der Geretteten,
Den Tropfen Blut weg, der an ihrer Nüster stand.
O süßes Leben, du bist mein!
In deinem reinsten Licht zu sein,
Ihr Blut die Helden gaben,
Die sich geopfert haben.
Es starb für dich der treue Christ,
Dir jedes Lied erklungen ist.
Soll ich nicht hoffen, glauben?
Kein Schicksal wird mirs rauben.
Wohl war ich in der Mutter Lust,
Um ihren Schmerz hab ich gewußt.
Vom Lieben und vom Leiden
Mag ich mich nimmer scheiden.
Gegeben in die ewige Huld,
Gebunden durch die ewige Schuld,
Den ewigen Tod zu Füßen:
Will ich mein Leben grüßen.
Widmung | 5 |
Der Ort | 6 |
Der kranke Knabe | 8 |
Der Gut-Wetter-Wind | 9 |
Schulstunde | 10 |
Vanitas | 11 |
Heilige Gruppe | 12 |
Der schlafende Knabe | 13 |
Gebet | 14 |
Vorfrühling | 16 |
Einsiedler | 17 |
Die Freude | 18 |
Die Nähe | 19 |
Vor dem Einschlafen | 20 |
In der Nacht | 21 |
Die Stadt | 22 |
Pferderennen | 23 |
Szene | 24 |
Einsam | 25 |
Begegnung | 26 |
Bauernpferde | 27 |
Die Schlafende | 28 |
Der Selbstmord | 30 |
Ein Kuß | 31 |
Der Morgen | 32 |
Der Heller | 33 |
Die Heimkehrende | 35 |
Verfinsterung | 36 |
Spaziergang in der Nacht | 38 |
Die Unerbittlichkeit | 39 |
Einem edlen Jüngling | 40 |
Liebe | 41 |
Die Spielende | 42 |
Ein Brief | 43 |
Abschied | 44 |
Auch du | 45 |
Schnee | 46 |
Bitte an die Geliebte | 47 |
Ihr Freunde | 48 |
Unschuld | 49 |
Die Insel | 50 |
Für die Nacht | 53 |
Der Berg | 54 |
Gloria | 56 |
KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG
(FRÜHER ERNST ROWOHLT VERLAG)
WALTER HASENCLEVER
DER JÜNGLING
Geheftet Mark 2.50 Gebunden Mark 3.50
Richard Dehmel: Nehmen Sie meinen besten Glückwunsch zu Ihrem Buch. Was mich vor allem fesselte, ist die Lebenskunst, die aus Ihrer Dichtkunst spricht. Gerade heute entstehen wenig Bücher, die in hohem Sinne epikureisch sind. Ich glaube, Ihr »Jüngling« kann auch reifen Männern eine lächelnde Anleitung geben, das Schicksal als eine Angelegenheit geistigen Genusses aufzufassen; ich wünsche Ihnen solche männliche Leser!
Deutsche Montagszeitung: Eine neue Gesellschaftsdichtung im Sinne Beethoven-Schillers und der IX. Symphonie.
FRANZ WERFEL
WIR SIND
NEUE GEDICHTE
Vorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte Expl. auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.—
Geheftet Mark 3.— Gebunden Mark 4.50
Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt gewordenen Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet war: die Fülle der Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen Poeten, wird hier gesteigert zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine Dichtung beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie die Psalmen des Alten Testaments; sein Werk hat die Stärke und Verkündigung eines neuen Ethos.
URTEILE ÜBER FRANZ WERFEL:
Wilhelm Herzog im »Berliner Tageblatt«: ». . . ein ganz junger, ganz großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.«
Frankfurter Zeitung: ». . . ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei das gesagt.«