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Das Alles war nach Wunsche da.
Also die Hochzeit nun geschah: |
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2435 |
Der Todte ist vergessen,
Der Lebende hat besessen
Beides seine Ehr und sein Land;
Viel wohl war das ihm zugewandt.
Weder vor dem noch nach der Zeit |
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2440 |
War so stattliche Festlichkeit
Im Lande nimmermehre:
Da war Wonne und Ehre,
Freud' und trefflich Ritterspiel,
Und aller guten Dinge viel, |
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2445 |
Der man zum Leben begehrte.
Ihr Lanzenstechen währte
Bis in das Land hinfuhr
Der König Artus, wie er schwur,
Zum Bronnen mit seinem Heer. |
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2450 |
Da bedurft' er guter Wehr,
Zum Hüter taugt' ihm da kein Zage.
Nie kamen dahin an einem Tage
Guter Ritter so mancherlei.
Nun war recht wohlgemuth Herr Key, |
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2455 |
Weil er allda zu spotten fand:
Er sprach: »Sagt, Herr Kalogreant,
Euer Neffe, wohin wohl mocht' er ziehn?
Es scheint noch jetzt, wie mirs da schien,
Und wähn' ich, es bleibt wohl bei dem Schein, |
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2460 |
Aus seiner Rede sprach der Wein,
Als Er Euch so viel versprach.
Wie er da hieb und wie er stach.
Wär' ihm ein Becher noch gebracht,
Zwölf Riesen hätt' er umgebracht. |
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2465 |
Seiner Mannheit ist zwar viel;
Doch dünkt mich, wenn er Euch rächen will
Zu viel Muße nimmt er sich;
Der Euch noch rächen wird, bin ich.
Ich muß vor den Riß mich stellen, |
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2470 |
Wie ich in solchen Fällen
Schon oft für meine Freunde stund.
Ich sehe nicht den Grund
Warum mancher sich brüsten will,
Und rühmt mit Worten überviel |
|
2475 |
Was Großes von ihm verrichtet sei,
Wenn auch Keiner ihm pflichtet bei.
Wo keiner schlägt den Gegenhieb,
Da ist Fechten bequem und lieb.
Nun zog er in alle Lande, |
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2480 |
Und entwich uns mit großer Schande:
Ihm bangte, wär' er gekommen,
Und hätte sichs angenommen,
Er müsse zuerst das Werk anfassen:
Das hätt' ich ihm doch viel gern erlassen. |
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2485 |
Manch alltäglicher nichtger Mann
Setzt den Tapfern herab wo er kann;
Er selbst vollbringt nichts Kühnes je,
Und ist ihm doch in der Seele weh,
Wird Jemand Ehre wo erwiesen. |
|
2490 |
Nein, ich zähle mich nicht zu diesen;
Denn Jedem gönnt' ich allezeit
Seinen Ruhm und ohne Neid,
Ich preis' ihn wo er das Rechte thut,
Und verschweige die Schwächen, so ists gut. |
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2495 |
Drum muß mir alles gerathen,
Denn von künftigen Thaten
Spricht Niemand minder gern als ich,
Doch damit fördern die andern sich,
Indem sie selber sich loben: |
|
2500 |
Denn keiner ist so verschroben,
Der ihre Armuth preise.
Herr Iwein ist nicht weise,
Sonst schwieg er lieber gleich mir.«
Die Rede däucht sie ergötzlich schier, |
|
2505 |
Daß Key sich rühmt' um Güte;
Denn von so falschem Gemüthe
War Keiner, noch so schadenfroh.
Drum sprach mein Herr Gawein also:
»Wie nun, mein Herr Key? |
|
2510 |
Ihr rühmt ja doch Euch frei
Von böser Rede; wie zeigt sich das?
Ihr tadelt mit allzugroßem Haß
Diesen jungen Gesellen:
Ich muß zur Red' Euch stellen. |
|
2515 |
Er sprach von Euch nie anders denn wohl,
Wie ein Ritter vom Andern soll:
Und daß er nicht zugegen ist,
Das war ihm vielleicht in dieser Frist
Durch solche Unmuße benommen |
|
2520 |
Daß er nicht konnte kommen; –
Bei Gott, drum schweigt, das bitt' ich Euch.«
Herr Key erwiedert ihm: »Also gleich;
Ich wähnt', ich red'te recht daran.
Nun wie Ihr wollt! – Da mag ein Mann |
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2525 |
Unrecht thun so gern als wohl;
Wenn Niemand von ihm reden soll,
Erwähn' ich seiner nicht mehre. –
Das also nennt Ihr Ehre?« –
Der König Artus nahm in die Hand, |
|
2530 |
Und füllte wie ers da hangen fand
Mit dem Bronnen klar das Becken;
Er wollte genau entdecken,
Ob jene selbige Märe
Lüg' oder Wahrheit wäre, |
|
2535 |
Um die er sich wagt' in solche Fahr;
Und rasch begoß er den Stein alldar.
Da ward das Wasser also groß,
Daß es alle die verdroß,
Die mit im Zug gewesen: |
|
2540 |
Daß Gott sie möcht' erlösen
Deß verzweifelten sie beinah.
Alsbald legt man Herrn Iwein da
Den guten Harnisch um die Brust,
Denn dessen war er sich wohl bewußt, |
|
2545 |
Beschirm' er nicht den Bronnen,
So werd' er ihm abgewonnen.
Da hielt nun auch Herr Key
Also gewaffnet dabei,
Der hatte der ersten Tjost begehrt, |
|
2550 |
Und ward ihm vom König das gewährt.
Nun kam Herr Iwein balde
Dort aus jenem Walde
Zu Felde gallopiret,
Nach Engelweise gezieret. |
|
2555 |
Ihn hinderte weder Roß noch Muth,
Denn beide waren ihm stark und gut.
Seinem Herzen viel Freude geschah,
Als er jenen halten sah,
Der alles Gute verkehrte; |
|
2560 |
Und als ihn Gott so ehrte,
Daß er ihm möge vergelten
Sein übergroßes Schelten,
Und seinen täglichen Hohn und Spott:
Deß lobte der Ritter Gott. |
|
2565 |
Auch sag' ich Euch das dabei:
Wie boshaft immer sich zeigte Key,
Doch war er beherzt, zum Kampf nie faul:
Und hätt' er nicht solch' böses Maul,
War am Hof kein kühnrer Degen. |
|
2570 |
Das könnt Ihr selbst erwägen
Durch das Amt schon, daß er pflag:
Ihn hätte sonst nicht einen Tag
König Artus als Truchseß wohl
Behalten im Schloß zu Caridoel. |
|
2575 |
Nun war Herrn Key's und Herrn Iweins
Willen genau sich gleich und Eins,
Jedweder der beiden mit aller Macht
Nur auf des Gegners Fall bedacht:
Doch war der Erfolg ungleich. |
|
2580 |
Die Tjost war gut und reich;
Und dem Herren Key,
Wie gering ihr wähnet, daß er sei,
Der Speer bis an die Hand zerspellt:
Nur ward er auch zugleich geschnellt |
|
2585 |
Aus seinem Sattel wie ein Sack,
Daß er nicht wußte wo er lag.
Doch wollt' ihm Herr Iwein nichts mehre
Erweisen zur Unehre,
Als daß er lachend ihn neckt, |
|
2590 |
Da er ihn sieht zu Boden gestreckt,
Und fragt ihn: »Was liegt Ihr da, um Gott?
Nun war doch der stets Euer Spott,
Dem ohne Schuld ein Ding mißlang;
Fielt Ihr ohne Euern Dank? – |
|
2595 |
Mich trüge denn mein Wahn,
So habt Ihrs mit Fleiß gethan;
Es konnt' Euch nimmer sonst geschehn:
Ihr wolltet selber sehn
Wie's mit dem Falle beschaffen sei: |
|
2600 |
Ruhm ist weiter nicht viel dabei.«
Er nahm das Roß da ers gewann,
Und führt' es vor den König dann.
Er sprach: »Dies Pferd hab' ich gewonnen,
Heißet nun Jemand kommen, |
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2605 |
Von Euerm Gesinde einen Garzun,
Und den Gaul in den Stall hinthun;
Eure Habe wollt' ich nicht erbeuten.
Die müßt ich in anderm Kampf erstreiten.«
Deß zeigte der König Dank dem Herrn, |
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2610 |
Und sprach: »Euern Namen wüßt ich gern!«
»Ich bins, Iwein.« – »Behüt' uns Gott!« –
»Herr, es ist wahr und sonder Spott.«
Nun berichtet' er ihm die Märe
Wie er geworden wäre |
|
2615 |
Fürst in selbigen Lande.
Seiner Ehre und Keyens Schande
Waren sie alle froh:
Doch war keiner vergnügt also,
Als mein Herr Gawein: |
|
2620 |
Denn es war unter ihnen Zwein
Geschlossen ein Freundesbund,
Und um so höher im Preise stund
Ihr Lob in jeglichem Munde.
Da ward zur selben Stunde |
|
2625 |
Herr Key verspottet von Allen;
Denn er war hingefallen
Kopfüber und lag im Sande.
Ja wäre solche Schande
An einem redlichen Mann gesehn, |
|
2630 |
(Wie sie Herrn Key schon oft geschehn)
Der noch für Spott empfindlich war,
Der hätte gewißlich und wahr
Die Welt geflohen allezeit.
Herrn Key war zwar der Leib zerbläut, |
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2635 |
Das dünkt' ihm aber wie ein Bast;
Denn es hatt' ihm der Schande Last
Den Rücken schon überladen.
So spürt' er wenig Schaden,
Und ließ sich nicht bethören, |
|
2640 |
Daß es ihn sollte stören
Und ärgern wenn ihn wer verhöhnt,
Denn an Spott war er längst gewöhnt.
Also thät sein Mißlingen
Den Streit zu Ende bringen |
|
2645 |
Mit Gelächter und lautem Schalle. –
Die Andern aber Alle
Gönnten Herrn Iwein Bronnen und Land
Und lobtens daß er fand
So stattlichen Ruhm und Ehren, |
|
2650 |
Und möchtens lieber ihm mehren.
Von Keinem ward anders da gedacht:
So hatt' er sie alle sich Freund gemacht.
König Artus auf seine Bitten
War zur Burg mit ihm geritten. |
|
2655 |
Da war Vermögen und williger Muth,
Reicher Empfang und Willkomm gut,
Daß der König außer seinem Land
Nimmer wohl bessre Kurzweil fand;
Dem freilich war nichts vergleichbar, |
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2660 |
Und wär' auch unerreichbar,
Daß Schön'res irgend auf Erden
Möchte gefunden werden.
Die Königin war des Gastes froh.
Zu Herren Iwein da sprach sie also: |
|
2665 |
»Trauter Gesell und Herre werth,
Mit höchstem Dank sei'st Du geehrt
Für unsern Gast allhie;
Und in Wahrheit, Du hast noch nie
Bessern Lohn verdient um mich.« |
|
2670 |
Mit Recht nun freute sie sich,
Denn all ihr Glück bis zu der Zeit
War Hoffen und Glauben, nicht Sicherheit;
Jetzt aber dünkte sies kein Wahn.
Nun erst gefiel ihr recht der Mann, |
|
2675 |
Als ihr die Ehre geschah,
Daß sie den König durch ihn ersah.
Da mochte sie klar verstehn,
Daß ihr alles Gute war geschehn,
Und daß er den Zauberbronnen |
|
2680 |
Wie er durch Mannheit ihn gewonnen,
Ihn auch vertheidigt als ein Held.
Sie dacht': Ich habe gut gewählt. –
Der Gast wird bald gewahr,
(Ist er nicht thöricht gar) |
|
2685 |
Wie der Wirth ihm sei geneigt.
Wenn der dem Fremden zeigt
Was ihm verdrießlich und lästig sei,
War sein Kommen ihm überlei;
Fand aber Herberg' ein Mann, |
|
2690 |
Wo ihms der Wirth wohl gann,
Erquickt ihn gastlicher Heerd
Und Scherz und Gespräche werth.
Auch gelingt das Empfangen nimmer gut
Ohne willigen Muth: |
|
2695 |
Hier aber fand Artus nach Begehr
Werk und Willen, so sagt die Mär.
Auch mein Herr Gawein,
Der stets von aller Falschheit rein
Nie anders erschien als höfisch und gut, |
|
2700 |
Erzeigte viel getreuen Muth
Seinem Gesellen Herrn Iwein:
Wie alle Weisen stimmen ein,
Das sei das allerstärkste Band,
Wenn Freunde, nicht durch Blut verwandt, |
|
2705 |
Sich wenden auf das Gute;
Und sei'n in ihrem Muthe
Getreu und einig die Beiden,
Während sich Brüder scheiden.
So war es unter ihn Zwein: |
|
2710 |
Der Wirth und Herr Gawein
Waren einander lieb genug,
So daß jedweder von ihnen trug
Des Freundes Lieb und Leid.
Hier zeigt' all' seine Höfischheit |
|
2715 |
Herr Gawein adlich und courtois;
Ich sag' Euch lautre Wahrheit da.
Die Magd, Lunete war sie genannt,
Die so verständig und gewandt
Aus großer Gefahr und Sorgen |
|
2720 |
Herrn Iwein hatte geborgen
Mit ihrer Weisheit und klugem Sinn,
Zu der nun setzt' er sich hin,
Und sagt ihr Dank viel sehre,
Daß sie so manche Ehre |
|
2725 |
Herrn Iwein, seinem Gesellen bot:
Denn daß er aus mißlicher Noth
Ohne Bedrängniß war entführt,
Und da zu Land' als Herr regiert,
Das war von ihren Schulden. |
|
2730 |
Herr Gawein dankt ihrs mit Hulden.
Es ist in Wahrheit allzeit gut,
Wenn Einer gern das Rechte thut,
Soll man ihm danken wies ihm gebührt,
Auf daß er nicht Lieb' und Lust verliehrt, |
|
2735 |
(Denn Mühe kostet's und fordert Muth)
Und wer mit Vorsatz Schlechtes thut,
Daß man dem zürn' und dräue;
Das bringt ihn vielleicht zur Reue.
Herr Gawein sprach: »Viel edle Magd, |
|
2740 |
Euer Rath und Bitte unverzagt
Hat mir Liebes viel gethan
An dem besten Freund den ich gewann.
Ich weiß wie Ihr ihn habt befreit,
Und wie gewandt und dienstbereit |
|
2745 |
Ihr All' die Ehr' ihm habt gefügt,
Die ihm nun völlig auch genügt.
Er empfing von Euch ein schönes Weib,
Ein reiches Land und Leben und Leib,
Und weß ein Mann von der Welt begehrt. |
|
2750 |
Wär' ich so biderbe und so werth,
Daß durch mich geehrt sich fänd' ein Weib, –
Ich habe nichts als Leben und Leib,
Die gäb' ich Euch zum Lohne
Für meines Genossen Krone; |
|
2755 |
Das sag' ich Euch bei meinem Eid.«
Da ward mit fester Sicherheit
Ein Bund geschlossen unter den Zwein. –
Frau Laudine und Herr Iwein,
In ihrem Hause schufen die |
|
2760 |
Dem guten König Artus allhie
Solche Ehre wie sie Allen
Mußte gar wohl gefallen.
Sieben Tage weilten sie auf der Veste;
Da verlangte nach Haus die Gäste. |
|
2765 |
Als nun Urlaub nehmen wollten,
Die da weiter reiten sollten,
Führt Herr Gawein, der treue Mann
Herrn Iwein heimlich hindann,
Von den Leuten gesondert und spricht: |
|
2770 |
»Lieber, mich wundert nicht,
Wenn einem glücklichen Mann,
Der solches Ziel erstreben kann,
Und dem Tugend und Kraft bescheert,
Wenn dem viel Ehre widerfährt. |
|
2775 |
Es ringet Mancher Tag für Tag
So viel er irgend kann und vermag,
Dem doch nimmer Ehre geschicht,
Weil ihm das Glück gebricht;
Euch aber ists wohl gelungen, |
|
2780 |
Ihr habt Euch Heil errungen;
Ihr habt erworben durch Eure Hand
Ein schönes Gemahl und reiches Land,
Da Ihr es nun so wohl vollbracht,
So habt deß treulich acht, |
|
2785 |
Daß um der Frauen Schöne
Euch nimmer die Welt verhöhne.
Ich warn' Euch bei Zeiten und ohne Hehl,
Daß ihr nicht fallt in deren Fehl,
Die im Hause müssig und verlegen |
|
2790 |
Einrosten ihrer Frauen wegen.
Wendet nicht alles an Euer Gemach,
Wie dem Herrn Erek das geschach,
Der auch sich Jahr und Tag
Um Frau Enitens Willen verlag. |
|
2795 |
Hätt' er sich nicht zuletzt entrafft,
Wie einem Ritter ziemt, mit Kraft,
So wars geschehn um seine Ehre:
Der minnete zu sehre.
Ihr habt, was Euch genügen soll: |
|
2800 |
Dabei lehr' ich Euch wohl
Eure Ehre bewahren.
Ihr sollt mit uns von hinnen fahren:
Wir müssen turniren wie vordem,
Es wär mir sonst nimmer genehm |
|
2805 |
Kunde von Euch zu gewinnen,
Müßt Eure Ritterschaft zerrinnen.
Viel mancher sich damit helfen möcht'
Und spricht: Das sei des Hauses Recht;
Wer sich Hof und Hausfrau gewann, |
|
2810 |
Derselbe dürf' als Ehemann
Weder den Beutel ziehn, noch steigen zu Pferd;
Er müsse leben dem eigenen Heerd.
Er entsagt und begiebt sich beider,
Der Festlichkeiten und Kleider, |
|
2815 |
Die nach ritterlichen Sitten
Sind gestaltet oder geschnitten;
Und was er Warmes angelegt,
Sei, spricht er, wie's ein Hauswirth trägt.
Er wills am Munde sich sparen, |
|
2820 |
Geht einher mit sträubenden Haaren,
Mit nackten Beinen und barfuß:
Und immer ist das der zweite Gruß
Mit dem er seinen Gast erfreut,
Er sagt: »Wahrhaftig, seit der Zeit |
|
2825 |
Da ich das erste Haus erstand,
(Das glaubt mir so leicht Niemand)
Kam ich kein Jahr noch davon frei,
Daß ich nicht, eh sechs Monden vorbei,
Mir mußte kaufen das Korn. |
|
2830 |
Heuer bin ich nun ganz verlohrn;
Mich verdrießt, daß ichs Euch muß klagen;
Mir hat der Hagel zerschlagen
Die beste Saat, die ich bestellt,
Ich fürcht' aufgeben muß ich das Feld. |
|
2835 |
Ich selber fristete noch den Leib,
Müßt' ich nicht auch versorgen mein Weib;
Gott weiß es, wo ich bleibe mit der.
Es leidet wahrhaftig viel Beschwer
Wer eine Wirthschaft führen soll. |
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2840 |
Ja es mag Niemand wissen wohl
Was es muß kosten im Jahr!
Ich machte manches mit fürwahr,
Und sorgte für mein Vergnügen,
Müßt' ich nicht schier erliegen. |
|
2845 |
So beginnt er auf Neu zu klagen,
Und seinem Gast zu sagen
So manche ärmliche Mär,
Daß jenem lieber wär,
Er hätte nimmer besucht den Wirth. |
|
2850 |
Der spricht halb wahr und halb verwirrt.
Freilich kostet ein Hausstand viel,
Und wer ihn mit Fleiß verwalten will,
Muß hüten was sein eigen.
Dann soll er aber zeigen, |
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2855 |
Ob ihm noch Muth geblieben,
Und nie ganz von sich schieben
Seinen Beruf zur Ritterschaft,
Der er nachstreben soll mit Kraft.
Ich rede wie ichs gewißlich weiß. |
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2860 |
Für Wen denn möchte mit Fleiß
Ein Held den Werth sich mehren,
Als seinem Weibe zu Ehren?
Konnt' er dem Ruhm entsagen
In trägen müssigen Tagen, |
|
2865 |
Und entschuldet sich dann
Gleich einem geringen Mann,
Ihr zu Liebe thu' er's also,
Deß wird er selber nimmer froh;
Denn ihr ist von Herzen leid |
|
2870 |
Sein Verrosten und seine Müssigkeit.
Wie gern sie ihn auch immer sah,
Es quält sie, bleibt er stets ihr nah.
Manche schon aus Furcht vor dem Mann
Nahm den Schein sich an, |
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2875 |
Als ob sie's nicht verdrieße;
Doch was er selber dann genieße
Wenn er alles verlernt und verlegen,
Das gönn' ich ihm meinetwegen.
Ihr habt erworben durch Eure Hand |
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2880 |
Eine Königin und ein Land.
Sollt Ihr nun verderben dabei,
So wähn' ich, daß noch reicher sei
Ohne Hufe ein wackrer Mann.
Herr Iwein, gedenkt daran, |
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2885 |
Und fahrt mit uns von hinnen;
Gewinnet erst mit Minnen
Wenn Ihr gelegne Zeit gefunden
Einen Urlaub zu guter Stunden,
Und befehlt der Königin Leut' und Land. |
|
2890 |
Eine Fraue, die man hat erkannt
Von also stetem Muth,
Bedarf nicht andrer Hut
Als ihre eignen Ehren.
Man soll die Sorg' und Aufsicht kehren |
|
2895 |
An solche Frau'n und junge Kind
Die also einfältig sind,
Daß eines alten Weibes Rath
Sie bringen mag zur Missethat.
Ihr habt also gelebt bisher, |
|
2900 |
Daß ich keinen Wandel an Euch begehr';
Ihr war't in Ehren ein frommer Knecht.
Nun habt Ihr erst ein volles Recht,
Daß sich Euch Ruhm und Ehre
Noch verbreit' und mehre. |
|
2905 |
Hindert Euch etwa Hab und Gut
Mehr denn Neigung und frischer Muth,
So mögt Ihr diesmal das Gut
Nachsetzen Euerm Muth.
Nun haltet Euch kühn und wohlgemuth, |
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2910 |
So wird die Ritterschaft noch gut
In manchem Lande von uns Zwein:
Darin folgt mir, Herr Iwein.«
An die Fraue sofort sich wandt' er,
Und was er da suchte fand er. |
|
2915 |
Denn als er seine Bitte gethan,
Da hatte sie deß keinen Wahn,
Daß er um etwas sie bäte
Als was sie willig thäte.
Es reute sie gleich, da sie's gewährt, |
|
2920 |
Als er Urlaub von ihr begehrt,
Auf Lanzenstechen auszufahren.
Sie sprach: »Ich hätte mich sollen wahren;
Nun darf ich mein Wort nicht brechen.«
Da mußte sie Urlaub ihm versprechen |
|
2925 |
Ein Jahr zu reiten auf Abentheuer.
Doch gelobte sie hoch und theuer,
Blieb' er länger als ein Jahr,
Verzeihen werde sie's nimmerdar.
Er aber schwur, deß Lieb' ihn zwang, |
|
2930 |
Und sprach: »Mich dünkt das Jahr zu lang;
Ich säume gewiß nicht einen Tag,
Und komme früher wenn ichs mag;
Es hindre denn rechtsgültge Noth,
Siechthum, Gefängniß oder Tod.« |
|
2935 |
Sie sprach: »Euch ist das wohl erkannt,
Daß unsre Ehr' und unser Land
Auf der Wage schweben fort und fort;
Und haltet Ihr nicht treulich Wort,
Wie manches uns gefährden mag. |
|
2940 |
Heut ist genau der achte Tag
Nach der Sonnenwenden;
Da soll die Jahresfrist enden.
So kommt dann pünktlich oder ehr,
Sonst harr' ich Euer nicht länger mehr: |
|
2945 |
Und laßt dies goldne Ringelein
Einen Zeugen der Rede sein;
Ich war nie einem Mann so hold,
Daß ich ihm diesselbe Gold
Wollte je leihen oder geben. |
|
2950 |
Der muß wohl desto seliger leben
Der es trägt und vor Augen sicht.
Herr Iwein, nun verliehrt es nicht:
Seines Steines Kraft ist gut:
Er giebt Euch Glück und leichten Muth, |
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2955 |
Und wer ihn trägt, hat gute Zeit.«
Nun war der König Artus bereit,
Der schied mit Urlaub hindann.
Da ritt die Frau mit ihrem Mann
Drei Meilen wohl noch oder mehr. |
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2960 |
Das Scheiden that ihr im Herzen weher
Als ihre Gebärden mochten zeigen.
Auch Iwein suchte den Schmerz zu schweigen,
Und barg ihn in der Seele Grunde.
Mit lächelndem Munde |
|
2965 |
Trübte sich ihm der Blick:
Nur daß die Scham ihn hielt zurück,
Weint' er gern die hellen Thränen:
Ihr sollt das nicht erlogen wähnen.
König Artus zog gen Bretagne nieder, |
|
2970 |
Die Frau zu ihrer Burg hinwieder. |